Veranstaltung "Deutschland hat Zukunft" am 21.05.2026
Mehr als ein Viertel der Kinder und Jugendlichen zeigt ein problematisches Nutzungsverhalten in Bezug auf Social Media, rund fünf Prozent davon sind als Social-Media-süchtig einzustufen und die täglichen Nutzungszeiten sind beunruhigend hoch. In der aktuellen Debatte rund um die Einführung von Altersbegrenzungen für den Zugang zu Social Media legt der Aktionsrat Bildung mit seinem diesjährigen Gutachten „Social Media – Bildung – Integrität“ eine umfassende Analyse der Datenlage vor und spricht sich für eine gesetzlich geregelte Altersbegrenzung für den Zugang zu Social Media aus.
Zugleich machen die Expert*innen deutlich, dass Verbote nicht ausreichen, um Kinder und Jugendliche auf eine zielgerichtete und integre Nutzung von Social Media vorzubereiten. Das Gutachten führt den Begriff der „medialen Integrität“ ein und fordert eine altersgerechte Vermittlung und Einübung über alle Bildungsphasen – von der Frühen Bildung, über die Primar- und Sekundarstufe bis hin zur beruflichen Bildung, der Hochschule und der Weiterbildung. Es werden konkrete Handlungsempfehlungen formuliert, die an die Politik, die Bildungseinrichtungen und ihr pädagogisches Personal sowie an Eltern und die Nutzenden gerichtet sind.
Das Gutachten wurde am 21. Mai 2026 im Rahmen des hybriden Kongresses „Deutschland hat Zukunft –“ veröffentlicht.
Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V., verwies in seiner Rede auf die Gefahren eines unregulierten Social-Media-Konsums von Kindern und Jugendlichen und forderte eine Gesamtstrategie zu der u. a. die Erweiterung der Lernplattform BayernCloud-Schule um Social-Media-Anwendungen gehöre. Er unterstrich, dass ein bayerischer Masterplan Social Media wichtiger sei als die Diskussion um mögliche Altersbeschränkungen.
Im Anschluss führte der Vorsitzende des Aktionsrats Bildung, Prof. em. Dr. Dr. h. c. Dieter Lenzen, in die Inhalte des Gutachtens ein. Er betonte, dass mediale Integrität mehr umfasse als digitale Kompetenzen: sie umschließt die Fähigkeit, im Netz für sich selbst und andere Verantwortung zu übernehmen und ethisch reflektiert zu handeln.
Die Inhalte des Gutachtens wurden durch zwei weitere Mitglieder des Aktionsrats Bildung vorgestellt. Zu den psychologischen Hintergründen referierte Frau Prof. Dr. Bettina Hannover, Leiterin des Arbeitsbereichs Schul- und Unterrichtsforschung im Fachbereich Erziehungswissenschaft und Psychologie an der Freien Universität Berlin. Sie stellte Gefahren und Potentiale von Social Media in den Bereichen soziale Interaktionen, Meinungsbildung, Identitätsentwicklung sowie Kognition und Lernen gegenüber.
Prof. Dr. Tina Seidel, Inhaberin des Lehrstuhls für Pädagogische Psychologie an der Technischen Universität München und Präsidentin der Gesellschaft für Empirische Bildungsforschung (GEBF), gab einen vertieften Einblick in das Thema im Bereich Sekundarstufe und stellte anschließend zentrale Empfehlungen der weiteren Bildungsphasen vor.
Die Verknüpfung von Theorie und Praxis ermöglichte die Vorstellung zweier Schulen, die sich in besonderem Maße in der medialen Bildung ihrer Schüler*innen engagieren. Im Anschluss an zwei kurze Filmbeiträge skizzierten Ute Kühn, Schulleiterin der Grundschule Köppern, sowie Christian Schwab, Schulleiter des Johann-Michael-Fischer-Gymnasiums Burglengenfeld, wie die kompetente Vermittlung medialer Integrität an ihren Schulen gelingt.
Die Veranstaltung wurde von einer Podiumsdiskussion abgerundet, die von Christian Nitsche, Chefredakteur des Bayerischen Rundfunks, moderiert wurde. An der Gesprächsrunde nahmen teil:
Anna Stolz (Bayerische Staatsministerin für Unterricht und Kultus und Präsidentin der Bildungsministerkonferenz), Dr. Anja Weisgerber MdB (stv. Vorsitzende der CDU/CSU Bundestagsfraktion für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Kultur und Medien), Isabelle Schuhladen (Mitglied der erweiterten Schulleitung der Realschule Meitingen), Prof. Dr. Karl Wilbers (Inhaber des Lehrstuhles für Wirtschaftspädagogik und Personalentwicklung, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg), Dr. Christof Prechtl (stv. Hauptgeschäftsführer, vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V., München). Gemeinsam diskutierten sie, wie die kompetente Vermittlung medialer Kompetenz in allen Bildungsphasen gelingen und ein kritischer Umgang mit Social Media gefördert werden kann.
Unter www.vbw-aktionsrat-bildung.de finden Sie weiterführende Informationen zum Kongress und Gutachten.
Das Gutachten zum Download finden Sie hier.
