Gutachten

Gutachten "Bildung. Mehr als Fachlichkeit"

In einer zunehmend komplexen, globalisierten Gesellschaft steht das Bildungssystem vor der Aufgabe, nicht mehr nur bloßes Fachwissen zu vermitteln, sondern auch zu einem flexiblen Umgang mit demselben zu befähigen. Sowohl das Arbeitsleben als auch die gesellschaftlichen Anforderungen stellen den Einzelnen vor die Aufgabe, die eigenen Ziele und Kompetenzen ständig von neuem zu hinterfragen und weiterzuentwickeln. Aspekte wie Lernkompetenz, Persönlichkeitsentwicklung und Motivation spielen vor diesem Hintergrund eine immer größere Rolle und müssen im Bildungsgeschehen entsprechend berücksichtigt werden.

Das neue Gutachten des Aktionsrats Bildung "Bildung. Mehr als Fachlichkeit", das am 06. Mai 2015 im Rahmen der Veranstaltung "Deutschland hat Zukunft" in München der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, nimmt diese Problematik in den Fokus. Der Aktionsrat Bildung will mit dem aktuellen Gutachten die öffentliche Diskussion für einen erweiterten Bildungsbegriff öffnen, der die Förderung überfachlicher Kompetenzen als gleichberechtigt mit der Vermittlung fachlichen Wissens anerkennt und die engen Zusammenhänge zwischen diesen beiden Kompetenzbereichen berücksichtigt.  

Die Veranstaltung, die auch im Internet via live streaming verfolgt werden konnte, wurde von Alfred Gaffal, dem Präsidenten der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V., eröffnet. Herr Gaffal betonte in seiner Rede „Vorsprung durch Bildung“, dass die bayerische Wirtschaft einen wachsenden Bedarf nicht nur an fachlich geschultem Personal habe, sondern Mitarbeiter in einer zunehmend komplexen und globalisierten Wirtschaft auch über übergeordnete Kompetenzen verfügen müssen, um erfolgreich agieren zu können. Um den Stellenwert mehrdimensionaler Bildungsziele an Schulen, Hochschulen und in der Aus- und Weiterbildung zu erhöhen, forderte Herr Gaffal zum einen, diese systematisch in den Bildungsplänen zu verankern. Zum anderen hob er die Bedeutung einer Verbesserung des digitalen Lernens in allen Bildungsphasen sowie der Optimierung der Diagnosefähigkeit des Lehrpersonals in Bezug auf überfachliche Kompetenzen hervor. Den Ausbau der Ganztagesschulen bezeichnete er als Chance für die Umsetzung mehrdimensionaler Bildungsziele.

Alfred Gaffal, Präsident der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V.

Im Anschluss führte der Vorsitzende des Aktionsrats Bildung, Prof. Dr. Dieter Lenzen, mit seinem Vortrag „Bildung ist mehr als Kompetenz. Auf dem Weg zur Mehrdimensionalität des Lernens“ in das Thema ein. Er betonte, dass die unmittelbare Relevanz mehrdimensionaler Bildung und Persönlichkeitsentwicklung nicht zuletzt von Arbeitgeberseite umfangreich anerkannt wird und sich daher in einer entsprechenden Erweiterung des in der öffentlichen Diskussion vorherrschenden Bildungsbegriffs wiederspiegeln müsse. Bildung sei demnach weder auf Fachlichkeit noch auf Kompetenz zu beschränken, sondern offenbare sich vor allem in einer Geisteshaltung, die an einer produktiven Weiterentwicklung der eigenen und gesellschaftlichen Lebensumstände interessiert sei. Zusätzlich sei eine gewisse Souveränität und Verhaltenssicherheit notwendig, um entsprechende Gestaltungsvorhaben auch in die Tat umsetzen zu können.

Prof. Dr. Dieter Lenzen, Vorsitzender des Aktionsrats Bildung

In dem Vortrag „Bildung. Mehr als Fachlichkeit“ fasste Prof. Dr. Rudolf Tippelt die zentralen Ergebnisse des Gutachtens zusammen. Für jede Bildungsphase von der frühkindlichen Bildung, über die Primar- und Sekundarstufe bis zur Hochschulbildung sowie der beruflichen und allgemeinen Aus- und Weiterbildung griff er die wichtigsten empirische Befunde heraus, die auf Qualifizierungsbedarfe im Bereich der überfachlichen Kompetenzen verweisen. Auf dieser Grundlage stellte er die vom Aktionsrat Bildung erarbeiteten Handlungsempfehlungen vor. In der frühkindlichen Bildung wurden hier die Bedeutsamkeit einer integrierten Förderung fachlicher und überfachlicher Kompetenzen, entsprechende Qualifizierungsbedarfe des Personals sowie die Intensivierung der Zusammenarbeit mit den Eltern hervorgehoben. Für den Primar- und Sekundarbereich betreffen die Empfehlungen vor allem die Förderung motivationaler Aspekte bei den Schülern, wie z. B. Freude und Interesse an den Lerninhalten sowie den Abbau diesbezüglicher geschlechtsspezifischer Unterschiede. Der Hochschulbereich ist dagegen stärker durch die Notwendigkeit der Förderung von Reflexionsfähigkeit, Teamfähigkeit und problemorientiertem Lernen gekennzeichnet. Im Bereich der Erwachsenenbildung sowie der beruflichen Aus- und Weiterbildung schließlich stehen Aspekte wie die Erweiterung und der Erhalt von Lernkompetenz, moralischer und politischer Kompetenz, Maßnahmen zur Steigerung der Bildungsbeteiligung und zur Verbesserung der Übergänge in der beruflichen Ausbildung sowie die Entwicklung standardisierter Verfahren zur Abbildung mehrdimensionaler Bildungsergebnisse im Vordergrund.

Prof. Dr. Rudolf Tippelt, Mitglied des Aktionsrats Bildung

Unter dem Titel „Dimensionen der Bildung: Fachwissen – Kompetenzen – Persönlichkeit“ gab Dr. Ludwig Spaenle, Mitglied des Präsidiums der Kultusministerkonferenz und Bayerischer Staatsminister für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst, einen Einblick in die bayerischen Bildungsdiskussionen der vergangenen Jahre. Er betonte, dass hierbei das Thema überfachliche Bildung immer stärker in den Fokus gerückt sei. Grund hierfür sei die immer schneller anwachsende Informationsflut in einer globalisierten und digitalisierten Welt, die es notwendig mache, relevantes Fachwissen von veraltetem oder falschem Wissen zu selektieren und in den richtigen Kontext einzuordnen. Eine zentrale Herausforderung des Bildungssystems sei es daher, neben fachlichem Wissen vor allem auch übergeordnete Kompetenzen zu vermitteln, die es den zu Bildenden ermöglichen, sich relevante Themengebiete selbstständig zu erarbeiten und diese in der Tiefe zu durchdringen.

Dr. Ludwig Spaenle, Mitglied des Präsidiums der Kultusministerkonferenz und Bayerischer Staatsminister für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst

Die Veranstaltung wurde von einer Podiumsdiskussion mit Vertretern aus Politik, Wissenschaft, Praxis und Wirtschaft abgerundet, die von Ulrike Plewnia, Korrespondentin beim FOCUS Magazin, moderiert wurde. Ursula Lay (Präsidentin der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Lehrerverbände und Vorsitzende der Katholischen Erziehergemeinschaft), Michael Töpler (Vorsitzender des Bundeselternrats), Christoph Zander (Landesschülersprecher Fachoberschulen/Berufsoberschulen), Prof. Dr. Dieter Lenzen sowie Dr. Christof Prechtl (Geschäftsführer, Leiter der Abteilung Bildung der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V.) diskutierten die Ergebnisse des Gutachtens sowie die daraus abgeleiteten Handlungsempfehlungen und notwendigen Umsetzungsschritte.

Von links nach rechts: Prof. Dr. Rudolf Tippelt, Ursula Ley, Prof. Dr. Dieter Lenzen, Alfred Gaffal, Michael Töpler, Ulrike Plewnia, Christoph Zander, Dr. Christof Prechtl

Von links nach rechts: Prof. Dr. Dieter Lenzen, Prof. Dr. Rudolf Tippelt, Dr. Ludwig Spaenle, Alfred Gaffal

 

 

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